Windenergie ist Bürgersache

Bürgerwind-Initiativen warnen: Vorsicht bei Angeboten von Projektierern

Kreis Steinfurt. Viele Windenergieanlagen (WEA) drehen sich im Kreis Steinfurt. Und das hat seinen Grund: Energie aus Wind ist wesentlicher Bestandteil der Umsetzung der Klimaschutzziele, die sich der Kreis Steinfurt gesetzt hat. Die meisten Windenergieanlagen sind nach den Steinfurter „Leitlinien Bürgerwindpark“ errichtet worden und haben die lokale Wertschöpfung im Blick. Die Bürgerwindparks beteiligen alle Gruppen im Umfeld der WEA (Grundeigentümer, Anwohner, Landwirte) an der Konzeption sowie an der Finanzierung der Anlagen. Darüber hinaus sehen die Leitlinien auch eine faire Teilhabe der nicht direkt profitierenden Flächeneigentümer, Anwohner und sonstigen Betroffenen vor. Mehrheitsbeteiligungen an Windenergie-Projekten sollen möglichst vermieden werden. Die Stadtwerke im Kreis sind als Vermarkter und die regionalen Bankinstitute als Partner für die Finanzierung einbezogen.

Einen guten Überblick über das Thema Windenergie im Kreisgebiet gibt der „Windatlas“ auf der Internetseite des Kreises Steinfurt. Neben den vorhandenen und geplanten WEA werden auch planerische Grundlagen und die derzeit in Entwicklung befindlichen Bürgerwindparks dargestellt. Hier lässt sich der Erfolg der Allianz zwischen dem Kreis Steinfurt, dem WLV-Kreisverband, der NLF-Bürgerwind GmbH und vielen weiteren Akteuren ablesen: „In einem großen Netzwerk haben wir es im Kreis in den vergangenen Jahren geschafft, ein einzigartiges Bürgerwind-Konzept fest zu etablieren“, sagt Dr. Alexandra Wohlert, Geschäftsführerin der NLF-Bürgerwind. „Zahlreiche Windenergieanlagen wurden in den letzten Jahren im Kreis Steinfurt realisiert. Bei vielen Projekten wurde mit der NLF-Bürgerwind als Dienstleister bei der Projektentwicklung ein Bürgerwindpark nach den Bürgerwindpark-Leitlinien des Kreises Steinfurt errichtet. Das Konzept hat sich vor allem vor dem Hintergrund einer breiten Akzeptanz und dem Frieden unter den Grundstückseigentümern absolut bewährt“, sind Dr. Alexandra Wohlert und Windpraktiker Jörg Tiemann aus Steinfurt überzeugt. Große Netzwerktreffen, so wie es jetzt in Ochtrup-Welbergen standfand, bringen auf Einladung der NLF-Bürgerwind regelmäßig alle Wind-Akteure aus dem Kreis zusammen. Sie zeigen das große Netzwerk mit seiner engen Anbindung an den Kreis Steinfurt und den Verein energieland 2050.

Übersichtskarte Windparks

Der Tenor des Netzwerktreffens: Im Kreis Steinfurt wird der Bürgerwindgedanke gelebt – und so soll es auch bleiben. Angebote von externern Projektierern, die aktuell auf den im Kreis vorhandenen Potentialflächen WEA-Standorte als Anlageobjekte entwickeln möchten, sollten daher vor einer möglichen Vertragsunterzeichnung unbedingt genau geprüft werden.

Diese Ansprechpartner bieten allen Interessierten eine kostenlose Beratung an:

  • Dr. Alexandra Wohlert (WLV), Tel.: 02574 / 9392 – 62
  • Maik Dahlmann, (NLF Bürgerwind) Tel.: 02574 / 93910 – 251
  • Ursula Wermelt (energieland2050), Tel.: 02551 / 69-2132
  • Dr. Rolf Winters (Umwelt- und Planungsamt Kreis Steinfurt), Tel.: 02551/691413

Drei Fragen an Dr. Alexandra Wohlert (Geschäftsführerin NLF Bürgerwind) und Jörg Tiemann (Windpraktiker aus Steinfurt)

Sie warnen aktuell vor externen Projektierern. Woher kommen sie und welches Interesse haben sie?

Dr. Alexandra Wohlert: Klimaschonender Strom aus Windenergie ist ein wichtiger Teil der Energiewende. Auf einschlägigen Plattformen wird intensiv für eine „grüne Investition“ in Windenergie geworben. Dabei ist der Standort der Windenergieanlagen für die Anleger zweitrangig, es geht ihnen um die Rendite. Planungsbüros, die sich auf die Realisierung von Windprojekten deutschlandweit spezialisiert haben, identifizieren anhand von Kartenmaterial, das im Internet zur Verfügung steht, lukrative Standorte für Windenergieanlagen und nehmen den Kontakt zu für sie interessanten Kommunen und Flächeneigentümern auf, um ihnen verlockende Angebote zu unterbreiten.

Welche Gefahr sehen Sie in der Aktivität der Projektierer?

Jörg Tiemann:  Das Problem ist vielen Grundstückseigentümern wahrscheinlich gar nicht bewusst. Wenn auch nur ein Grundstückseigentümer das Angebot eines externen Projektierers unterschreibt, ist das Gebiet für den Steinfurter Bürgerwind „verloren“. Die Entwicklung eines Bürgerwindparks wird damit unmöglich gemacht. Windräder werden gebaut, aber die Wertschöpfung findet woanders statt.

Was würde das für den Kreis bedeuten?

Dr. Wohlert / Tiemann: Wenn Projektierer zum Zug kommen, sind die Folgen für den Bürgerwindgedanken fatal. Wir stehen für den Bürgerwindgedanken mit einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung, wie ihn jetzt auch die Politik in Berlin entdeckt hat. Wir setzen die Wind-Projekte nach den Bürgerwind-Leitlinien des Kreises um und bauen auf Fairness und Akzeptanz. Unser Ziel ist die Beteiligung möglichst vieler Bürger an den Projekten und die regionale Wertschöpfung mit der Vernetzung aller Akteure im Kreis. Dieses Konzept hat sich bewährt und sollte nicht zum Spielball werden.

Pressemitteilung März 2020